Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 11. Juli 1912 (Leipzig), Postkarte


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11.VII.12. Was das für Anzeichen sind? Wenn Sie die Luft hier atmeten, dann würden Sie - sehn Sie, sag' ich - nicht so fragen. Man muß sie kauen, ehe man sie atmet. Es geht mir physisch dabei nicht übel, aber die Aufnahmefähigkeit, die Apperception einfach, funktioniert nicht mehr, und das hebt sich
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| dann wohl noch mal 8 Tage, kommt dann aber wieder, u. dann gibt es bis zum Schluß eine schreckliche Angst u. Quälerei. Da ich aber diese Woche noch absolviert habe, bin ich schon zuversichtlicher. Es sind nur noch 1 ½ Dissertationen u. dann ein Haufen Doktorexamina, die aber leicht u. nicht zeitraubend sind. Hingegen ist mir heute etwas Fatales begegnet. Ich soll am 4. August in d. Univ. nachm. die 340 dtsch-amerikan. Lehrer (darunter 300 Frauenzimmer!) mit offizieller Ansprache begrüßen. Das abzuwälzen, habe ich heute in mündlicher Besprechung mit dem Rektor vergeblich versucht. Es wird mir wohl nichts übrig bleiben, als Freitag - Sonnabd. nach Berlin, dann aber Montag Heidelberg u. Mittwoch Freudenstadt. Denn am 31. VIII. ist da Schluß. Amtlich nichts Besonderes. In der Privatkorrespondenz <li. Rand> mancherlei Erlebnisse, über die ich gern spräche. <re. Rand>Herzliche Grüße u. kühle Wünsche Ihr E.