Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 14. Juli 1912 (Berlin-Eisenach), Postkarte


<Poststempel: 14.7.12>

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L.F! Herzlichen Dank für die Manöversendung, den Baumkuchen der Erkenntnis des Bösen u. Guten und das Sanatogen, das ein ganz guter Gedanke, da es mindestens durch Suggestion wirkt. Chokolade war einmal; Zähne erlauben es nicht mehr. Nachdem ich Sonnabend noch 1 gemüterregende Examensache
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| hatte u. am Abend pflichtschuldigst bei Brieger war, Kügelgens Freund, wo außerdem Cornitt, s. anderer Freund aus Halle, war, fuhr ich heute morgen zur Vorfeier des Geburtstags nach Ch; fand soweit alles normal; zugleich aber Brief von Frau R., der mich vor wichtige Entscheidung stellt. Wenn Aussicht ist, daß ich ein E. Ord. annehme, so ist mir die 1. Stelle im Vorschlag gesichert. Die Komm. glaubt aber, mich dadurch nur zum O. in L. zu befördern, u. möchte wohl keine Ablehnung haben. Ich kann nun so glatt nicht verzichten, sondern muß aus der Situation machen, was ich kann. Habe daher privatim nach Klösterli geschrieben, daß m. W. der Minister ein O. errichten will. Bei Garantie
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| unabhängiger Stellung u. Exspektanz auf ein O. (schriftlich) käme ich. (Sonst schließen sich nämlich die Pforten für immer.) Ihnen muß ich außerdem sagen, daß - da in L. die Spatzen auf den Dächern singen, ich ginge nach B - es mir nun nicht angenehm wäre, nicht einmal in den Vor
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|schlag zu kommen. Man soll mir doch Anbietungen machen. Ich gehe nicht nur nach den Tausenden, sondern auch nach Heimatsinn, Klima u. Pietät. Muß allerdings ganz unabhängig sein, so wie in L. Jetzt hängt alles von dem mir wohlwollenden Ministerien ab. Die Frage beschäftigt mich, ob ich wieder ganz passiv sein soll, oder meinerseits vorgehen? Wie schade, daß wir das nicht besprechen können. Es ist wieder ein wichtiger Wendepunkt, nur daß ich diesmal auch bei negativem Ausfall gesichert bin. Herzlichste Grüße aus der Bahn Eduard.