Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 22. September 1912 ( Bahn Leipzig/Berlin), Postkarte


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Zug Leipzig - Berlin 22. IX. 12. 8 ½ früh.
Liebe Freundin! Eben erhielt ich Ihre liebe Karte, deren Klage über mangelnde Nachrichten nur ein Echo der meinigen ist. Ich steckte am Montag den 16. abds ein paar Zettel an Sie in den Kasten, auf denen ich schrieb, daß ich ein paar Tage in Leipzig blieben würde. Diese Tage wartete ich natürlich ungeduldig auf die Bestätigung Ihrer Ankunft in H, tröstete mich aber damit, daß Sie vielleicht nach Ch., geschrieben hätten. Zu einer ausführlicheren Nachricht blieb mir keine Zeit, da ich alle Tage von 8 - ½ 1 u.v. 2 - 8 auf dem Seminar ordnete. Dann war ich natürlich müde. Klappte doch am 5. Tage selbst der Famulus zusammen, der sonst nicht klein zu kriegen ist. Nun ist, mit viel Aufregung u. Kosten, die Ordnung so weit erzielt, daß das weitere ohne meine Leitung u. z. T. allmählich erfolgen kann. Viel Zeitverlust,
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| aber hoffentlich nicht nutzlos. Kochberg, wohin ich heute kommen sollte, habe ich nun ablehnen müssen. Also von jetzt an Ch. 4. Ihre l. Karte aus Hagen u. der Brief vorher waren implicite mit beantwortet. Warum also wegen 4 Tagen ohne Nachricht (in denen fast nichts vorlag) so ängstlich? Ich bin ungeduldig auf den noch in Ch. liegenden Brief, der mir geschickt wäre, wenn ich dort m. Abreise von hier näher <S.1, li. Rand> hätte angeben können. Befinden ist hoffentlich <re. Rand> gut! Ich habe Gigantenkräfte entwickelt. Heute erwarte <Kopf> ich Fastenraths.
[S.2, Kopf] Diese Karte stammt aus Freudenstadt.