Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 13. Oktober 1912 (Leipzig), Postkarte


<Poststempel: 13.10.12>

[1]
|
Liebe Freundin! Für Ihre lieben Zeilen u. das Echo meines Essays herzlichsten Dank. Die Tüchlein sind wohl als Schweißtücher gedacht, teils für den Schweiß, [über der Zeile] ohne den kein Preis ist, teils für den Angstschweiß, der mir im Vorblick auf das Semster schon reichlich abgeht. Ich kann heute nicht ausführlicher schreiben, da ich vor meiner
[2]
| morgigen Reise (um 6 früh) noch Unglaubliches erledigen muß. Der Ferienkursus ist abgetan, zur Zufriedenheit der 70 Leute, weniger zu meiner. Kerschensteiner revanchiert sich , indem er mich für einen Naturforscherkongreß dringend vorgeschlagen hat. Heute habe ich mit den Besuchen begonnen, beim Kreishauptmann u. neuen Rektor. Die Besucher bei mir sind zahllos und recht ausführlich. Von 40 Staatsarbeiten habe ich nun 10 mühsam erledigt. Vom Pädagogikkolleg ist das Gerippe fertig. Wer schafft das Fleisch? Es wird eine schlimme Zeit werden. Der Famulus jammert schon. Na, hoffentlich geht es Ihnen andauernd gut und kommen Sie mit den Zahngeschwüren gut ins Reine. Viele herzliche Grüße u. alles Gute!! Vor Mittwoch, wo ich wieder hier bin, kann ich nun nicht schreiben. In Treue Eduard.