Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 27. Oktober 1912 (Leipzig), Postkarte


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27.X.12. Der heutige Sonntag ist ganz der Arbeit gewidmet, mit der ich leider immer wieder in Unlösbarkeiten gerate. Ich komme daher zu keinem Brief, trotz der schönen großen Couverts, sondern betrachte die ausgebissenen Zähne, die wahrscheinlich bei ähnlichen Problemen verloren gegangen sind. Für Ihre ungeheuer reiche Sendung herzlichen Dank. Die Äpfel sind großartig, das grüne Zeug sind wohl Birnen?
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| Das mit dem Alpenglühen war mit einem Lächeln geschrieben, das Sie hätten fühlen sollen. Ernstlich gemeint ist damit, daß ich eine Inkongruenz zwischen Ihrer Ausdrucksform und Ihrer eigentlichen Meinung, die ich sehr wohl kenne, bemerke. Sie pfropfen die bildliche Welt des Ästhetizismus auf einen edleren Baum. Das fühle ich immer wieder, u. gerade das stachelt mich. Das ist etwa dasselbe Mißverhältnis, als wenn man sich von einem Nichtraucher einen Aschbecher schenken läßt. (Aber um Gotteswillen nicht umtauschen!! Längst in Gebrauch.) Es sieht sehr hübsch aus u. ist eine Ehre u. Zierde. Aber wer von höheren Gesichtspunkten aus raucht, wer das Rauchen metaphysisch faßt, der sieht innen u. außen die Mängel. He? Fakultätssitzung neulich 4 Stunden, erregt u. dramatisch, Hausschlüssel vergessen, hungrig!! Erste Sprechstunde 60 Leute. Es ist zum Auswachsen manchmal. Ob es durchführbar [li. Rand] ist? Zum Kolleg bin ich noch kaum gekommen. Alles Gute [re. Rand] und Liebe u. Herzlichen Dank für alles Eduard.
[S.1,re.Rand] Ich habe ein Bild vom Kongreß.
[li.Rand] Soeben bitte ich in D. bei Exc. Audienz.