Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 25. Dezember 1912 (Charlottenburg 4, Pestalozzi-Str. 9a)


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Charlottenburg 4, Pestalozzi-Str. 9 a.
Den 25. Dezember 1912.
Liebe Freundin!
Ihre liebe 2. Weihnachtssendung ist gestern Nachmittag richtig eingetroffen und hat mir mit ihrem schönen Inhalt, besonders auch Ihren Begleitzeilen, das Fest verschönt. Es nützt nichts, daß ich Sie um Schonung Ihrer Kräfte bitte: Sie sind immer fleißig und kunstfertig. Was nun die daran geknüpfte symbolische Deutung betrifft, so beruht sie zwar auf einem orthographischen Fehler, ist aber für mich doch sehr "ährenvoll." Sie werden nur erschrecken, wenn Sie sehen, unter welcher Unordnung und welchen Papierwust Ihre erste schöne Gabe ver
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|blichen ist. Vielen herzlichen Dank für die Güte und Liebe, die Sie wieder hineingelegt haben. - Auch das Notizbuch war mir sehr willkommen. Denn momentan hatte ich gar kein Brauchbares. Der lieben Tante bitte ich, vielen Dank für ihr freundliches Gedenken zu sagen: Hoffentlich kann ich es bald selbst.
Bisher habe ich hier noch nicht viel unternommen: Die Arbeitslast drückt zu sehr. Gestern war ich bei W. Böhm zum gemütlichen Geburtstagsfrühstück, heute nachm. fahre ich zu m. Onkel, dem es ohne Wirtschafterin recht schlecht geht (sie hat doppelte Darmoperation durchzumachen), und am Sonntag soll die übliche Schulpartie sein, deren baldiges Einschlafen an vielen Symptomen spürbar ist.
Wir müssen gleich fort. Ich wollte Ihnen
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| auch nur danken. Viele Grüße auch von meinem Vater.
Ich bleibe in inniger Zuneigung und Dankbarkeit
Dein Bruder
Eduard.

Viele Fragen, die Verwandtschaft betr, verschiebe ich bis zum 4.I.13. Frl. Tuchel hat mir einen Kranz von weißen Rosen geschickt auf schwarzer Tischdecke.
In der Eile bin ich konfuse und habe vergessen, das hübsche Bild zu erwähnen. Heinzelsmann haben vor etwa 10 Tagen nach Ihrer Adresse gefragt, ich habe aber noch keine Zeit gehabt, zu antworten.