Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 29. März 1913 (Charlottenburg)


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Charlottenburg, den 29. März 1913.
Liebe Freundin!
Um einen Brief zu schreiben, fühle ich mich zu angegriffen. Ich bitte daher um Ihre Nachsicht, wenn ich nur Ihre Fragen im letzten Brief beantworte. Zuvor aber und vor allem herzlichen Dank für Ihre lieben Ostergrüße, die ganz pünktlich eintrafen.
Meine Pläne sind durchaus dieselben, d. h. vom 12. bis zum 21. April zu reisen. Später als am 21. darf ich garnicht nach Leipzig kommen. Es kann aber sein, daß ich gezwungen bin, früher zu reisen. Denn wenn mein Nervenzustand sich weiter so senkt, so haben meine Arbeitsversuche hier nicht viel Sinn. Außerdem habe ich dieselben Erscheinungen, wie zu Weihnachten. Seit 8 Tagen bin ich plötzlich trotz guten Appetits ziemlich abgefallen.
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Um mich über die Reichenaufrage zu äußern, müßte ich naturgemäß die ganze Lage kennen. Heute weiß ich noch nicht einmal, ob ich dort bleibe. Jedenfalls aber ist mir die Zweigasthäusertheorie sehr unsympathisch. Sollte sich irgendwie eine brauchbare Privatwohnung für Sie finden, so ginge es. Aber das muß man doch alles erst sehen, und da ich nicht telephatisch veranlagt bin, auch kein Buch über die Gegend besitze, so kann ich heut schlechterdings noch nichts sagen: denn Freiheit ist das erste beim Reisen.
Ich freue mich, daß es Ihnen gut geht. Von der verehrten Tante würde ich gern noch Besseres hören. Wann reisen Sie ab? Ich bitte allerseits noch einmal von mir zu grüßen.
Den Artikel in der DLZ., der mir viel innere Sorgen bereitet hat, scheinen Sie nicht bekommen zu haben.
Nehmen Sie für heute mit diesen wenigen Zeilen vorlieb. Sobald ich mich besser fühle, schreibe ich mehr.
Viele treue Grüße
Herzlichst wie stets
Eduard.