Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 24. Juni 1913 (Leipzig), Postkarte


<Poststempel: 24.6.13>

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L.F! Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Fahrt nach Speyer und die mir wertvollen, wennschon betrübenden Nachrichten. Sie wünschen eine von mir, und da Verschleiern sinnlos wäre, kann ich nur sagen: es geht nicht besser. Meine Arbeitsfähigkeit wird immer geringer; ich schlafe seit einiger Zeit garnicht oder ohne Erquickung. In der heutigen, besonders qualvollen Nacht war für mich nur noch die Frage, ob Abbrechen oder unterbrechen. Beides gleich schwer. Das Kolleg war heut z. 1. Mal minderwertig, weil nicht ganz vorbereitet. Meine einzige Hoffnung ist, daß die besonders schlimmen Erscheinungen dieser Nacht u. v. heute mit der Gewitterspannung zusammenhängen. Aber so
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| empfindlich dürfte man eben nicht sein. Ich habe den anwesenden Dresdner Ministerialrat bereits vorbereitet. Sollte ich Urlaub nehmen müssen, würde ich wahrscheinlich gleich nach Freudenstadt gehen. Ich fürchte mich nur vor der Stimmung dann. Es tut mir herzlich leid, daß ich Sie beunruhige. Aber wem soll ich's erzählen. Herzlichst Ihr Ed. Sp.