Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 29. September 1913 (Berlin), Postkarte


29.IX.13. spät. L.F. Ein paar Handschuhe werden vermißt. Wahrscheinlich gestohlen. Belohnung dem Wiederbringer! - Die 3 Ex. zur freien Verfügung. Nicht für Hermann u. die Tante. Haben schon. - Gestern wundervolle Partie. 9 Musen u. Apollo. Bernau - Liegnitzsee - Ützdorf - Wandlitzsee. Der schönste Herbsttag. Unvergleichlicher Sonnenuntergang am Wandlitzsee. Harmonisch, ohne Tiefe. Seltsam, wie mich das immer bewegt. Überhaupt Grundstimmung Melancholie. Revision aller Überzeugungen. Wo sitzt der Bruch, dies endlose Verlangen? - Nun wieder in den Dienst. Als ob man nicht mit sich so viel zu tun hätte. Es ist in mir eine ziellose Bewegung, als müßte ich dem Dasein noch einen tieferen Sinn abgewinnen. Erwägen Sie dieses stille Ringen in mir - und die nächsten Tage Politik! Mir ist, als ob es andern nützen könnte, wenn ich einmal ganz aussprechen könnte, was mich bewegt. Aber wie die Form? Herzliche Grüße Eduard.