Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 19. Oktober 1913 (Leipzig, Grassistr. 14)


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<Stempel: Prof. Spranger
Leipzig, Grassistr. 14.>
19.10.13.
Liebe Freundin!
Sie haben mich wieder sehr reich beschenkt, durch Ihren lieben Brief, die Bilder, die Abschrift, den Stempel und was alles noch.
Alles hat meinen Höchsten, sagen wir: meinen Allerhöchsten Beifall. Die Bilder erinnern mich an unser Eldorado, und es wird Ihnen wohl nichts übrig bleiben, als auch dazu noch einen Wechselrahmen wie den ersten zu stiften, denn ich kann mich nicht entschließen, den ersten oder den zweiten den Vorzug zu geben. Auch mit Bezug auf den Stempel war meine Maßnahme ganz richtig: ich habe die Wahl der rechten Hand anvertraut; ganz so habe ich mir die Ausführung gedacht. Den "Granit" habe ich noch nicht gelesen. Es kamen eben die Korrekturen der Rede vom 15.X. (über die ich Ihnen wenn mög
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|lich noch den gestrigen Zeitungsbericht verschaffen werde) Mit Bezug darauf habe ich nun noch eine eilige Frage: ich habe das hübsch ausgestattete Heft dem Andenken Budenbenders gewidmet, freilich ohne die Familie zu fragen, wozu schon die Zeit fehlte, da Frau B. anscheinend in Nürnberg ist und ich die Adresse nicht kenne. Eigentliche Bedenken habe ich nicht; aber nach den Erfahrungen mit Borchardt bin ich doch ängstlich, und dazu kommt noch ein andres: Ich habe auf meine beiden Kondolenzbriefe keine Antwort bekommen, nicht einmal die gedruckte[unter der Zeile] n Danksagung[unter der Zeile] en, wie mein Vater und Sie. Aber ich habe das bisher so gedeutet, daß ich bei ruhigerer Stimmung noch einen Brief bekommen soll. Wie denken Sie darüber? Wenn Sie eine vorherige Anfrage für nötig halten, so bitte ich Sie, der Be
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|schleunigung wegen gleich in m. Namen an Frau Budenbender nach Speyer zu schreiben und um umgehende Antwort direkt an mich zu bitten.
Von der gestrigen Feier kann ich natürlich keinen eingehenden Bericht geben. cf. Zeitungen. Alles war recht hübsch, aber an die Berliner Festlichkeiten reichte der ästhetische Eindruck nicht heran. Ich habe die Fürsten von der Frauenhochschule 2 mal vorbeifahren sehen. Dann war ich mit Friedmann, der sich wie ein Kind seiner oesterreichischen Uniform freute, zum "Diner" im Centraltheater. Nachm. schreckte mich der Vertreter der Berliner Freien Studentenschaft aus dem Schlaf auf. Ich besah die Illumination der Stadt, die ohne Elektrizität doch sehr umfangreich und gleichmäßig war, aß mit Fr. in s. Wohnung still zu Abend und war dann recht müde. Überhaupt geht
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| es mir in Leipzig trotz allem Arbeitsteifer wieder recht klapprig. Seit gestern habe ich in beiden Armen, besonders im Linken, die seit langem fehlenden Schmerzen wieder; sie sind aber nicht neuralgisch, sondern rheumatisch; den Linken kann ich nur mit Mühe bewegen, und wenn es sich weiter entwickeln sollte, so werde ich mich nicht selbst mehr anziehen können: Es scheint mir bewiesen, daß das auf Leipziger Klima beruht; denn als ich am 30. zuerst hier ankam, war es in der Nacht eben so. Gottlob habe ich noch eine relativ stille Woche vor mir. Am Dienstag beginnen die Sprechstunden, am Donnerstag die Examina, am Montag Abend die Vorlesungen. Der neue Rektor (Köster) ist schwer erkrankt. Neuwahl demnächst. Auch Frl. Stolze liegt meistens zu Bett. Soviel ich höre, hat sie ganz ähnliche "Magen"erscheinungen wie ich.*) [li. Rand] *) bei mir übrigens jetzt wesentlich besser. Ob die Wohnung vielleicht besonders ungesund ist?? Den Stundenplan lege ich bei. Heute schreibe ich weiter nichts. Ich werde Ihnen nur sagen, wie ich mich über alles gefreut habe. Herzlichst und treu
Dein Eduard.

[re. Rand S. 1] Eben erst entdecke ich mich als Arbeiter im Weinberg d. Herrn. Es ist schön, daß gerade diese Bilder gelungen sind. Könnten Sie wohl m. Vater Abzüge schicken?
[li. Rand S. 1] Von A. Riehl u. Frau Riehl Briefe