Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 26. Dezember 1913 (Berlin)


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26.XII.13.
Liebe Freundin!
Ein kurzer Dank für eine Fülle der Liebe und zahllose Geschenke, das ist keine feine, auch nicht meine, aber Berliner Art. Denn ich soll gleich nach Lichterfelde. Aber vorher muß ich Ihnen doch sagen, daß die Reichenau mich erreicht hat und daß vor allem die rote Glut des Umschlags mir jenen gewaltigen Augenblick in Erinnerung ruft, der mir freilich nur vor dem geistigen Auge stand, während Sie ihn wiedergeben konnten. Ein wunderbarer Gedanke und eine reizende Überraschung, wenn mir natürlich auch unsre Bilder von der R. lieber sind, als die sonst sehr schönen bei Velhagen u. Klasing.
Ihr lieber Brief heut morgen war nun eine Beruhigung; ich fürchtete, daß Sie die Sachen als Leipziger Schund entlarven könnten.
Ganz wider Erwarten habe ich einen Haufen Geschenke bekommen. Nach Ihren nenne ich den Grunewaldsee v. Leistikow, den mir die Wanderfreundinnen mit einem hübschen Heftchen auto
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|graphischen Begleitzeilen geschenkt haben. Von m. Vater Cigarren, von Paula 1 Crawatte, von Stolpes ein gekauftes Kissen, von Frl. Hilgenfeld leider ein sehr schönes gesticktes, von Lindau ein Buch v. Wundt, und von Frau Riehl ein kleines, fertig ausgesuchtes Weihnachtsbäumchen, das am H. A. gebrannt hat.
Ich will nun die Tage hier fleißig sein, damit wir in Cassel frei sind. Freilich ist hier allerhand. Klara Runge ist seit 10 Tagen im Krankenhaus, nicht ganz harmlos! - Ins Ministerium muß ich. Friedmann kommt auch. Heut vorm. bei <ein Wort unleserlich>, in denen ich gute Berliner Freunde verliere. Morgen Riehls. Sonntag der Ausflug, ach Gott das Sauwetter.
Der Tante danke ich vielmals für den lieben Brief. Ich schreibe inzwischen noch einmal etwas ausführlicher. Jetzt aber muß ich fort. In dankbaren Gedenken, stets
Dein Eduard.