Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 17. Januar 1914 (Leipzig, Postkarte)


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Philos. paed. Seminar, 17.I.14. L. F! Nur einen Gruß möchte ich Ihnen senden, der hoffentlich noch vor Ihrer Abreise eintrifft. Ihre Sendung war voll von Schönem: die Nelken prächtig erhalten, duften noch heut. Gebäck weniger haltbar. Vielen Dank. Zu der Kugel vermisse ich die Rechnung. Denn es ist unter Freunden nicht üblich, sich Kanonenkugeln zu schenken oder dedicierte Briefbeschwerer auf den Leib zu legen. - Im übrigen beklage ich sehr den Mißton dieser Ferien. Aber hätte ich von allem schweigen können u. sollen? Ich denke immer, daß aus der Nähe die Sache doch günstiger erscheint als jetzt, wo der Unmut besonders groß ist, weil er sich noch nicht Luft gemacht hat. Jedenfalls wäre es für meine Auffassung der traurigste Effekt jener wohlmeinenden Behandlung, wenn nun Ihre Gesundheit darunter litte.
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| Also seien Sie auch hier tapfer u. etwas Noli me tangere. - Mir bekommt die Kälte ausgezeichnet. Bin gestern nach Raschwitz an der Pleiße entlang gegangen. Heut Abend Euckenvortrag, morgen Taufe Biermann. Sonst nichts Neues. Meine Gedanken u. Wünsche begleiten Sie auf der Fahrt. Geben Sie mir ohne Schonung von allem Nachricht. Herzliche Grüße noch einmal allen Casselanern.
Treulichst u. herzlichst E. Sp.