Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 28. März 1914 (Berlin-Baumschulenweg, Postkarte)


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Bahn Baumschulenweg, 28.III.14. L. F. Es ist heute das Wetter, um sich von Reiseplänen zu unterhalten. Die Terminfrage ist noch dunkel, 1) weil ich die Damen Fastenrath, wenn sie kommen, am 5.IV. noch sehen möchte 2) weil am 6.IV. Congreßsitzung in Leipzig ist, deren Wichtigkeit ich noch nicht übersehe 3) weil ich die Fortsetzung der Deutschen Schule in L. diktieren möchte, damit sie mir nicht an den Semesteranfang kommt. Bei alledem ist möglich, daß sich m. Abreise bis zum 7.IV. nachm. verzögern könnte,
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| so daß wir nur bis Würzburg kämen. Am 19.IV. oder 20.IV. abends muß ich in L. sein. Wenn nun Ihr Urlaub nicht so weit reicht u. die Sitzung schwänzbar ist, so wäre es auch möglich, aber nicht sehr angenehm für mich, am 6.IV. von hier gleich bis Stuttgart durchzufahren. Bitte Ihre Ansicht, und ob ich uns jedenfalls schon für 8.IV. abends (ev. über Damen) in R. anmelden soll. - Das Ms,ohne Ihre Hilfe, ist soeben abgesandt. Es heißt Lebenformen, mit 2 Untertiteln: 1) Neue Arche Noah 2) Schleuderhonig. Es enthält 1) die bisher gesuchte u. nicht gefundene höhere Psychologie 2) ein Stück meines bisher unklaren Systems der Geisteswissenschaft (Sie z. B. stehen Klasse V, α, 1, ß.) 3) eine neue Ansicht der Ethik. Dies alles wegen Untertitel 2 bei nicht ausgereift. Aber voll großer Kraft des Gedankens. Auch Nietzsche wird von hier z. 1. Mal verständlich. - Morgen die übl. Tagestour, Wildpark - Schwielowsee, wahrscheinlich im Schnee. Wie steht's u. geht's in Cassel. Hier gut, trotz Arbeit. Mehr geht nicht! Kein Sechser. A re<li. Rand>voir Würzburg. Alles Gute u. viele Grüße Eduard.