Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 31. Mai 1914


<Die Interpunktion ist hier sehr schwer erkennbar!>

Fortschritt im Ewigen.

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Vom Bodensee zur Mark! – Nach Ostertagen
Im hellen Pfingstgrün! Ja der zarte Flaum
Verschämte Blüten fiel. Es reift der Traum
Zur Wirklichkeit, und alle Stämme tragen.
Wie hört' ich sonst die Stunden ängstlich schlagen! –
Den Gang der Zeit, ach, ich empfind' ihn kaum:
In Deinem Auge hasch' ich mir den Saum –
Der Ewigkeit: Dein liebes Herz – ihr Schlagen!
Und immer reicher fühl' ich mich mit Dir,
Du Unergründliches, Du Offenbarung!
So rein und hell, wie heut im Waldrevier
Die Sonne strahlte, schenkst Du mir Umklarung
Des einst Verworrenen! Alles fleht in mir:
Gib, Gott, mir nichts, als dieses Glücks Bewahrung!
Pfingsten 1914.
Eduard.