Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 17. Juni 1914


An Käthe.

[1]
|
Wenn des Tages lauter Klang
In die Nacht verhallt,
Aus verwirrten Überdrang
Reinere Gestalt
Sich entwickelt, ruht Dein Blick
Segnend über mir
Und mein Leben, mein Geschick
Löst sich auf in Dir.
Denn aus Deines Auges Tiefen –
Steigen sie, die längst entschliefen:
Stille Träume, stolze Siege –
Ach, an Deinem Herzen liege
Ich mit allen meinen Trieben;
Aller Rätsel Sinn und Einheit
Find' ich dann in Deiner Reinheit
Und ich kann nichts als Dich lieben!
17. Juni 1914.