Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 17. März 1914 (Heidelberg)


[1]
|
Heidelberg. 17.III.14.
Mein lieber Freund.
Dies ist eigentlich eine Warenprobe u. eine Karte. Aber ich sehe, daß ein Doppelbrief nur 5 Pf. mehr kostet, "u. so will ich auch dies noch an Sie wenden!"
Also: heut habe ich die Zeichnungen für Port beendet. Eigentlich wollte er noch einmal etwas suchen. Aber er wußte selbst nicht mehr so recht, was eigentlich, u. da ließ er sich zureden,
[2]
| daß es nun genug sei! Im stillen also hoffe ich, nun am Freitag reisen zu können.
Ob mein schrecklich dicker Brief am Sonntag bei Ihnen war? Was mögen Sie beschließen wegen der Reiserei? Ist am Palmsonntag in Leipzig eine Confirmation, daß Sie da gerade dort sein wollen? Dank für Ihre liebe Karte. Die Antwort war ja inzwischen schon unterwegs. Sie haben ganz recht, daß mir, trotz stiller Sehnsucht, die Zeit sehr rasch vergeht. Aber außerdem träume ich beinah jede Nacht von Ihnen, u. dies erfreuliche Zusammensein war mir angenehmer Ersatz für den leider etwas mangelhaften Verkehr. Nun ist ja aber
[3]
| nicht sicher, wie weit Sie wissentlich an diesen Zusammenkünften beteiligt sind u. da ists schon besser, zu schreiben. - Eine Reise nach Lugano wäre bei der anhaltenden Kälte wohl ebenso riskiert, wie voriges Jahr die Spekulation auf die Baumblüte. Also - was wird?
Schreiben Sie mir - falls es nicht sicher spätestens Freitag früh 8 Uhr hier sein kann, lieber nach Cassel. - Aenne ist merkwürdig unruhig über mein Fortgehen. Sie ängstigt sich, wie es scheint, über das Befinden ihrer Mutter u. fürchtet, mit ihr allein zu bleiben.
Morgen werde ich nochmal mit Seitzens zusammen sein. Ich
[4]
| wollte, man könnte ins Freie. Es war so stürmisch dieser Tage, u. das Mikroskopieren vor schwarzen Wolken fast unmöglich.
Ich warte mit Ungeduld auf alles, was Sie von Ihrem Denken u. Ihren Erlebnissen zu erzählen haben u. hoffe, daß wir in 14 Tagen beisammen sind.
Das wirksame Geheimmittel sollten Sie aber zum Wohle der Menschheit verraten, oder damit Handel treiben. Ich bin so froh, daß es Ihnen dabei so gut geht.
Grüßen Sie Ihren Vater herzlich.
Auf baldiges Wiedersehen!
Deine
Käthe.