Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 10. Januar 1915 (Postkarte)


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Sonntag, d. 10.I.15. L.F! Ungern beschränke ich mich auf diese Karte. Aber m. Erschöpfung ist noch zu groß, und die Arbeit nach 5 Seiten hin erfordert zunächst so viel Anspannung, daß ich nichts als diesen Gruß aus einer Sonntagseinsamkeit senden kann, die einen andern als einen Philosophen in diesen Zeiten erdrücken müßte. - Zu meiner Benommenheit gehört auch, daß ich ganz vergaß, Grüße für Hermann zu hinterlassen.
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| Hoffentlich haben Sie die wenigen Stunden recht genießen können! - Unter den vielen Briefen, die ich vorfand oder die mir von allen Himmelsgegenden nachgesandt wurden, war mir am liebsten eine zerfetzte Karte von Nieschling. Kurz u. freundschaftlich - er hofft, daß die Zeit mir endlich Gelegenheit zum Ausruhen bringe!
Ursula Ludwig ist auch angekommen. - Ferner 3 Kommissionssitzungen in d. nächsten Woche. - Die Paradiesvögel, die nach der nordischen Küste wollten, zogen nach Stettin, denn hier ist zwar Hochwasser, aber keine Küste. - Ich habe mich noch immer nicht entschließen können, das Papier abzuschicken. - Die Studentenschaft ist müde u. uninteressiert. Auf unsre 40 Packete sind ca 20 Antworten eingelaufen, nicht 1 aus dem Osten. - Kansk ist im östlichen Sibirien. - Mit der Frauenhochschule haben Sie sehr recht. Ich muß mich gegen sie wehren. Meine 2 Drucksachen werden eingetroffen sein. Der lieben <li. Rand> Tante bestellen Sie bitte Dank u. tausend Grüße. Am nächsten Sonntag lasse <re. Rand> ich vielleicht den Registrator kommen. Es ist unerträglich jetzt ohne befreundete <Kopf> Seele. Ich hoffe, spätestens Donnerstag mehr zu schreiben.
<li. Rand S. 1>
Herzlichst D. E.