Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 28. April 1915 (Postkarte)


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28.IV.15.
Am Abend vor dem Dienst!
M.L! Ich hoffe sehr bald den Titel Kommissionsrat zu bekommen. Er wäre jedenfalls ganz passend. Dieser herrliche Frühling, klar und rein, draußen. Im Herzen die Gedanken an die Reichenau, wo es auch so frisch und kühl sonnig war, und in der Ferne dies Entsetzliche, das nicht endet.
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| Trotzdem aber war der Gang der Geschäfte, als gäbe es nur Leben u. Lebensgestaltung. In Preußen bin ich plötzlich persona gratissima. Der Minister wünscht ein ausführl. Gutachten von mir über die neue Prüfungsordnung. Vorher aber wollen s. Räte mit mir konferieren. Ich muß also in nächster Zeit in prinzipiell wichtigen Angelegenheiten nach Berlin, dann auch zu m. Onkel, der mir Sorge macht. - Und noch ein andres: Meumann ist plötzlich gestorben. Ehre seinem Andenken, obwohl ich ihn nicht geliebt habe. Wenn Sie Lenz kennten, würden Sie wissen, was das für mich bedeuten kann. In Friedenszeiten stünde ich wieder vor den wichtigsten Entscheidungen (Un. Hamburg!) So aber rede ich über die Kultur vor einem Häuflein Damen u. frage mich, ob das noch männlich-akademisch ist. Herzl. Gruß der Kommissionsrat.