Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, April 1915 (Leipzig, Gruß zu einer Beilage)


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Kein Brief, mein Geliebtes, sondern nur ein paar Notizen und Mitteilungen, als Geleit zur Beilage! - Deine Ansicht über das Los war mir in ihrer Logik zu hoch, oder meine Logik war zu tief - kurz, ich habe sie nicht verstanden, und infolgedessen mir erlaubt, so zu handeln, wie ich im Anfang entschlossen war: d. h. Das Los verfallen zu lassen. Bedeutet mir in keinem Falle ein Opfer.
Ich habe wieder sehr viel mit der F. H. zu tun gehabt, z. T. schwierigste Dinge. Biermann ist nach Wilhelmshöhe gereist, wo er ausgerechnet - mit Hinrichsen zusammentraf. Wäre ich auch noch gekommen, hätten wir ja täglich 2 Sitzungen abhalten können. - Auch sonst habe ich immer noch soviel mit menschlichen Komplikationen zu tun, daß es wirklich eine heroische Technik
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| bedeutet, wenn ich dabei überhaupt zum Arbeiten komme.
Ich bitte um Nachrichten über Hermann und Kurt.
Sonst soll dies nur ein inniger Sonntagsgruß sein: es beschäftigt mich in diesen Tagen immer, daß wir jetzt vor einen Jahr auf die Reichenau fuhren. Was gäbe ich, wenn ich alles Dazwischenliegende auslöschen könnte. Es war doch die schönste Zeit. Ich bin ihr dankbar, und will nicht murren, wenn andres kommt.
Herzlichen Gruß auch an die Tante. Ich muß schließen u. zu Frl. Haas: Friedmann hat gestern wieder ganz munter geschrieben.
Innig
Dein
Eduard.