Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 17. Juni 1915


17.6.15.
L.F. Gegeben zu Schloß Debrahof in Eutritzsch, eine neue Entdeckung. Sehr hübsch. Aber ich bin mitten in eine Töchterschule geraten, vielleicht auch in 3. Ein buntes, fröhliches Leben, als ob es in der Welt keinen Krieg gäbe. Da merkt man ganz die grausamen Kontraste, grausam auch für die Seite, auf der die Illusion liegt. - Ich mußte einmal 1 Stde heraus. Gestern 4 Stunden Fakultätssitzung, um 1/2 11 Abendbrot, dann erst Vorbereitung für den nächsten Tag. Heute Ms IV für Deutsche Schule schnell fertig gemacht, u. so geht es täglich. - Weder von Morgner noch vom Registrator Nachricht. Ist bei dem ersteren bedenklich. Beide sind jedenfalls an den schlimmsten Stellen. Ich wollte gestern schreiben, ging aber nicht. Wenn ich mit dem Kolleg glatt zustande komme, heut Abend noch. Wie lauten D. Nachrichten? - Aus R. hört man jetzt wiederholt Friedensstimmen. Auffällig, wie wenig Offiziere prozentual gefangen werden. Da u. bei der Artillerie sitzt der Haken.
Viel herzliche Grüße u. tausend gut Wünsche
Ed.