Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 10. Juli 1915 (Kartenbrief)


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Liebstes! Es war wohl verkehrt, daß ich gestern nach Aachen schrieb, also mal anders rum. 10.7. 2 Uhr
Alea est iacta. Eduard Spr. bleibt in Leipzig. Noch gestern Telegramm, heute 1/2 12 Empfang. Diplomatisch ehrliches Verhandeln mit dem Ministerialdirektor. 1) ob ich den Ruf nicht erst effektiv werden lassen solle. Dazu hatte er nicht übel Lust, wußte aber auch nicht wie. 2) Meine Bedingungen: a:) Beschäftigung während m. Unabkömmlichkeit an einer dem Allgemeinwohl dienender Stelle. b) Nach dem Kriege Gehaltserhöhung in beliebiger Form. c) Schröbler durch Befürwortung des Min. nach Leipzig als Schuldirektor zu transferieren. - Exzellenz wünschte mich selbst zu empfangen. Er sprach unsaglich schöne Worte. Leider habe ich sie nicht mitgeschrieben. Es war schon stilistisch ein Vergnügen. Vor 3 1/2 Jahren: "Ihr ungewöhnlich hervorragender Vorgänger" heute: die "hohe Wertschätzung", die ich für Ihre Tätigkeit habe (2x) nun "ich bin bereit, Ihre Wünsche entgegenzu
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|nehmen." (soeben.) ... "Was den materiellen Punkt betrifft, so bewillige ich Ihnen ohne weiteres eine dreifache Gehaltserhöhung (d. h. 1800 M, statt 600, die 1.X fällig.) Der Ministerialdirektor hatte nur von 1200 gesprochen.) - Punkt 1 verstand Exzellenz als Beschäftigung meiner "sehr schätzenswerten Kraft an einer Höheren Kgl. Schule". Punkt 3 macht Exz. Wehmut, weil er vor den Lehrern Angst hat [über "schwer"] (gesetzlich* schwer) [Fuß] *) will mit Oberbürgermeister reden.
Zum Schluß wurde er ganz polematisch "Es ist Ihnen nicht unbekannt, welche außerordentlich Anerkennung Sie bei päd. Kreisen genießen". Ego: ausgenommen beim Leipz. Lehrerverein (das ist auch sein Spezial
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|feind. Vor Vergnügen wäre er beinahe Mensch geworden. Er fand aber noch sehr schöne Worte (ich kann leider die Phraselogie nie behalten), wirkte in der Form mit einen Orden und entließ mich in den Ratskeller, in dem ich nun sitze.
Ein drittes Mal in Dresden mit glücklichem Erfolg! Gewiß, ich bin froh. Aber könnte ich damit nur eine Träne der Zeit lindern! Das Leben wirft einem Unverdientes in den Schoß. Und worum man betet u. ringt, das bleibt unerrungen. - Ich denke an niemanden tiefer und inniger an dieser Stätte u. in diesem Augenblick als Dich die Du alle meine <re. Rand> Augenblicke erfüllst. Dein Eduard.
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Zum <Wort unleserlich> ist: das "Objekt, das im Spiel ist, beträgt 20000 Fixum."