Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 11. Juli 1915 (Leipzig Hauptbahnhof, Postkarte)


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Hauptbahnhof, Sonntag 6 Uhr.
L.F. Danke für heutigen lieben u. stärkenden Brief. Ob meine abgerissenen Notizen alle eingetroffen sind? Die letzten Tage waren so besetzt, daß nun heut eine Erschöpfungsreaktion 1. Kl da ist. Ich habe die ganze Zeit immer nur von 1-7 geschlafen. Übrigens ist meine Angelegenheit ohne jede Komplikatioen verlaufen. Aber die kritische Zuspitzung d. F.hochschulsache hat mich sehr angegriffen. Es wir die nächsten Tage in diesem Stil weitergehen. Bitte daher keine Nachrichten zu erwarten. Fast 8 Monate haben Bierm. u. ich sich an der Nase rumführen lassen; immer war Pietät das letzte Wort. Seit vorgestern habe ich nun die Offensive ergriffen u. dem Vorsitzenden V. in 8 Seiten schlagender advokatischer Deduktion nachgewiesen, daß wir 5x versucht haben zur Geltung zu kommen u. immer un
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|terdrückt wurden. Die Empörung ist bei mir übergelaufen. V. behauptet da noch, wir hätten unsre Pläne nie offiziell entwickelt. Wo ich kaum für andres so viel Zeit geopfert habe. Nun ist die Katastrophe groß. Denn die H. f. F. ist ohne uns nicht lebensfähig. Was soll da werden? Schade um die verlorene Liebesmüh! - Wie lange bleibt ihr noch in Aachen? Leider 5 Eier kaput; aber mit dem Löffel kann man essen. Tausend gute Wünsche u. Grüße
<li. Rand>
Dein Eduard.