Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 29. Oktober 1915 (Leipzig, Postkarte)


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29.10.15. L.F! Die Nachrichten über Dein wenig günstiges Befinden haben mich recht betrübt. Aber ich fand in der enormen Hast dieser Tage nicht einmal Zeit Dir zu schreiben. Den Brief nach Heidelberg wirst Du inzwischen erhalten haben. Auch in den nächsten Tagen komme ich nicht zu einem eingehenden Dank für Deine beiden lieben Briefe u. zur Rücksendung. Ich hoffe auf Deine Nachsicht u. bemerke hier nur das Tatsächliche: Mit Ausn. d. Übungen, die ich heut abend mit nur 26 beginne, habe ich alle Vorlesungen eröffnet.
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| Schulgesetzgebung 50 ca, Religionsphilosophie 100. Deutsche Erziehung 150. Darunter immer je 1/4 - 1/3 Männer. Die Hauptmühe u. Unruhe macht aber die H. f. F. Gestern ist mir der Vorsitz im Kurat. angeboten worden (!!) Volk. hat niedergelegt. Ich habe natürlich abgelehnt u. geraten man solle mit G. B. recht bald ins Reine kommen. Dazu will ich helfen. Die Stimmung ist viel friedlicher. Nur Biermann, der seit Mittwoch hier ist, bringt immer Unruhe u. Nervosität hinein. Die Übungen mit den Damen sind erfreulich lebhaft im Gange, kosten aber zunächst jede Woche 10 St!! - H. Heyse ist gefangen, hat gestern aus Belle-Isle geschrieben. Ludwig, jetzt im Westen, schrieb langen schönen Brief. Hier wird jetzt 42 eingezogen. Nach 45 spätestens komme ich. Bitte mir über Hermann Nachrichten zu senden. Ebenso über Frl. Ännchen u. bes. eignes Befinden. Ich denke viel an Dich. Aber die freien Tage muß ich die Aufsätze weiter schreiben. Es ist eine rasende Zersplitterung. Deshalb nimm vorlieb mit herzlichen Grüßen u. Wünschen wie stets
Dein Eduard.