Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 23. November 1915 (Hauptbahnhof)


Dienstag 9 Uhr früh, Hauptbhf
Liebe Freundin! "Wenn Du meine Briefe lesen würdest ..." ist abgesehen von dem schlechten Deutsch ein sehr schlechter Verdacht. Daß es wirklich Kurt ist, ist nicht erwiesen. Ich bin aber besser als Du und glaube es, weil Du es sagst. Vielleicht kann ich noch einen Abzug auf Karton haben. In dieser Form bewahrt er sich schwer auf. - Eben komme ich von der Kontrollversammlung, die eine reine Formalität ist. Ich habe mich nicht dispensieren lassen; so fiel ein Kolleg aus, u. ich muß fürchten, daß man mich hier vor 9 in der Kneipe entdeckt. Nun, die "leichtfaßliche Lehrart" habe ich wenigstens kennen gelernt. Ein wohlmeinender Ton. Aber ich glaube, ich sterbe, wenn ich mich 8 Wochen so ausbilden lassen soll. Übrigens stehe ich an der Spitze von Buchstaben S, entweder aus Höflichkeit, oder weil ich - der erste bin. Irgend welche Zukunftserwägungen haben gar keinen Sinn: Sobald der Landsturm II eingezogen ist, bin ich dran, u. das ist spätestensder 1. März, so daß ich zur Sommerkampagne noch fertig bin. Bis dahin bin ich fleißig. Morgen halte ich Vortrag über "Die Epochen der polit. Erziehung in Preußen". - Wie geht es der Tante und Dir u. Hermann?
Herzliche Grüße
Dein Eduard