Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 28. November 1915


28. XI. 15.
Liebe Freundin!
Ich habe heut nach 11 Uhr den Versuch gemacht, Dir zu schreiben. Ich sehe aber, daß ich mir über das Wichtigste noch zu unklar bin, als daß eine Verständigung daraus folgen könnte, und lasse den Anfang liegen, weil es alles in mir lähmt, wenn auf mein tiefes inneres Ringen Erwägungen folgen, die unmittelbar vor Augen liegen. Ich muß aus der Tiefe meiner Wahrhaftigkeit schöpfen. Deshalb bitte ich, jetzt mit mir Geduld zu haben und nicht Erklärungen zu verlangen, für deren Ausrufen mir die nötigste Zeit fehlt. Nimm dies ganz, wie es gemeint ist: ehrlich und freundschaftlich. Ich kann nicht anders. An allem, was du von Dir sagst, nehme ich herzlichen Anteil, aber vorläufig schweigend. Du wirst auch verstehen. Mit herzlichen Grüßen auch für die Tante
Dein
Eduard.

[re. Rand] Ich bin furchtbar überlastet, und es wird immer mehr.
[li. Rand] Herzlichen Dank für Deine beiden lieben Briefe.