Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 7. Februar 1915 (Cassel)


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Cassel. 7. Febr. 1915.
Mein lieber Freund.
Sie wissen ja, daß meine Machwerke keine Geltung an Kunstwert beanspruchen. Aber vielleicht ist die kleine Skizze doch im Stande, Ihnen etwas von der Stimmung mitzubringen, aus der sie entstand. Es ist eine Erinnerung, die ich - noch viel schöner u. leuchtender - immer im Sinn getragen habe, u. die nun auf einmal im Zusammenhange meiner Gefühle u. Gedanken Gestalt haben wollte. Sie soll Ihnen reden von Reichtum u. Schöpferkraft, von Verheißung u. Zuversicht. Der Weg aus grüner Dämmerung zur freien
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| Sonnenhöhe ist mir wie ein Symbol des Lebens. Es ist der stammelnde Ausdruck für das, was mich erfüllte, als ich die "versöhnlichen" Briefe schrieb, die nicht als weiche Nachgiebigkeit, sondern als tiefe, echte, überzeugte Einsicht verstanden sein möchten.
Du mußt ihn gehen, diesen Weg zum Licht u. ich will Dir helfen - will seine Mühsal mit Dir tragen in verstehender Liebe. Aber ich weiß auch, daß kein Umweg, kein Hindernis Dich vom Ziele trennen kann, denn ich fühle die sieghafte Kraft Deiner Seele.
Treu
Deine Käthe.