Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 27. Januar 1916 (Bahn Berlin/Leipzig, Postkarte)


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Bahn Berlin – Leipzig 27.I.16. Abends 7 Uhr.
L. F! Die große Berliner Aktion ist zufriedenstellend überstanden. Arbeit u. Aufregungen hatten allerdings m. Kraft vorher stark herabgesetzt. Sonntag hatte ich einen Anfall nervöser Herzschwäche. Meine Vorbereitung bestand großenteils im Schlafen. Der kl. Saal war überfüllt. In der 1. Reihe der Kultusminister, 2 Ministerialdirektoren u. 3 Vortragende Räte. (Exc. v. Bremen, Müller,
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| Reinhard, Schöppa, Pallat.) Außerdem Riehl, Imelmann, Borchardt, Lili Dröscher, M. Treuge, Kolleginnen, Schülerinnen. Der Vortrag gelang mir IIa. An I hinderte mich mein mühsam verborgener Schwächezustand. Der Min. sprach vorher sehr frdl. mit mir, auch zum Schluß anerkennend. Besonders aber die Räte. Nachher habe ich mit ihnen u. Riehl noch gekneipt. Heut war ich in d. lieben Berl. Un. zur Rede v. Troeltsch. Ich begrüßte viele alte Bekannte, Hintze, Erdmann, Lasson, auch Troeltsch selbst. T. wird an Kraftmangel nicht scheitern, Donnerwetter. Aber als Redner absolut Naturbursche. In der Sache unklar. Außer mir werden ihn nicht viele verstanden haben. Exc. war bei mir besser bedient. Nun bin ich neugierig, was sich in L. wieder aufgestapelt hat. Ich muß mich schonen. Aber wie? Herzlichste Grüße E.