Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 29. Januar 1916


[1]
|
29.I.16. 1 Uhr mittags.
Liebe Freundin!
Das war mir eine schmerzliche Nachricht. Anscheinend doch wohl ein Mitbringsel aus dem Kinderhort? Verlaufen solche Wiederholungsfälle wenigstens leichter? Ich hoffe es dringend. Und ich bitte, mir jeden Tag durch die Tante wenigstens ein kurzes Wort über den Verlauf zu schreiben. Behandelt Dich der Onkel? Sei nur ja in allem recht vorsichtig und vernünftig, besonders mit den Augen! Lieber ein paar Tage Geduld, als gewagte Experimente, die sich rächen, wie damals das mit dem Bettheben!
Ich schreibe nur, um Dir zu sagen, wie ich mit allen Gedanken und Wünschen bei Dir bin. Viel will ich sonst nicht hinzufügen; erst wieder, wenn Du etwas lesen darfst. Kann ich Dir irgend etwas schicken zur Stärkung oder sonstwie, damit die Tante keine Wege zu machen hat? Es würde sofort geschehen!
[2]
|
Die Hochschulbroschüre findet allgemeinen lebhaften Beifall. Das ganze Kuratorium, mit Ausnahme der beiden alten Damen Henriette und Volkelt, ist auf unsrer Seite. Köster entpuppt sich als stiller Bundesgenosse. In Dresden nimmt man mit Interesse Notiz. Gertrud Bäumer schreibt begeistert. Wollen aber mal abwarten, was sie in der Recension sagt, die noch im Februar in der "Frau" erscheinen soll.
Aber das alles ist ja jetzt Nebensache. Das Wichtigste ist, Dich bald wieder gesund zu wissen. Gib Dir rechte Mühe und noch einmal: sei vorsichtig!!
In liebevollem Gedenken
Dein
Eduard.