Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 30. Januar 1916 (Kartenbrief)


Hauptbahnhof 30.1.16. Mein liebes Kind! Du bist lange nicht so brav wie ich. Um mich habe keine Sorge. Denke lieber daran, Dich zu pflegen und sage mir, wie ich aus der Ferne dazu helfen kann. Was ist das mit den Handgelenken? Ist da der Ausschlag besonders stark?
Mir geht es schon nennenswert besser. Ich rauche täglich eine halbe Cigarre weniger, schlafe 1/2 Stde mehr und arbeite 1/2 Stunde weniger, die ich dann in den Straßen renne. Es war damals starker Ärger, Aufregung vor dem 26.1. und Spazierengehen unmittelbar nach dem Mittag im Ratskeller mit Morgner. Das ist mir ungewohnt. – Gestern habe 3 1/2 Stunden ohne Schwierigkeit katalogisiert, dann meinen 3 Mitarbeitern ein Souper im Ratskeller gegeben. Heute habe ich die Ausarbeitung der Rede für den Druck beinahe vollendet.
Unser Minister schrieb freundlich danken für die Broschüre. Die Stimmung in Dresden scheint sehr pro me. Volkelt betätigt sich in kleinen Racheakten. Am Sonnabend 5. muss ich schon wieder nach Berlin zur Vorstandssitzung des Dtsch. Aussch. für Erziehung u. Unt.
Hast Du erhebliches Fieber? Wie ist es mit Essen und Schlafen? Ich habe m. Masern mit 8 Jahren gründlich gehabt. Belege nicht repetendo. Tausend gute Wünsche!