Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 6. Februar 1916 (Charlottenburg, Postkarte)


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<Poststempel:> Charlottenburg, 6.2.16
Liebe Freundin! Wenn Ihr auch so schönen Sonnenschein habt, wird es "Dir gut tun. Es sind hier am Außenthermometer 15°. Eben komme ich vom Schluß unsrer Sitzungen. Das Organisatorische befriedigt mich immer noch wenig; aber es ist doch ein Stück weitergekommen. Sachlich war mir vieles sehr lehrreich. Vor allem, weil man sieht, wie sich jetzt eine neue Ideengruppe im Bewußtsein herausarbeitet, eben die,
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| die ich in der Broschüre S. 18ff. herausgearbeitet und in dem Berliner Vortrag aus einem andern Zusammenhang entwickelt habe. An Stelle der abstrakten Gleichheitsidee tritt jetzt die Idee der Organisation, verbunden mit der einer höheren Menschenökonomie. Sie ist mir in vielen Seiten u. Bedingungen gestern noch klarer geworden. Natürlich ist der Vorsitz in dem 1. Arbeitsausschuß an mir hängen geblieben, und damit ein neuer Stoß von Arbeit. Wo bleibst du, liebe Philosophie? Sie fällt den dringenden Arbeiten an der Wirklichkeit zum Opfer. Heut Nachmittag u. Abend bin ich bei Riehls. Ich bleibe noch bis morgen 12 Uhr, um mir die Sache nicht zu anstrengend zu machen. Merkwürdigerweise war die Zusammenkunft gestern Abend bei Mitscher, dem Lokal, wo ich in m. Kindheit fast jeden Sonntag Abend verlebt habe. Ich hoffe, morgen in L. gute Nachrichten von Dir zu finden. Euch allen herzlichste Grüße Dein Eduard.