Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 9. Februar 1916 (Leipzig, Kartenbrief)


<Poststempel> Leipzig, 9.2.16
Liebe Freundin Etwas erschrocken war ich ja, als ich am Montag nichts fand und am Dienstag noch immer die Handschrift der Tante sah.Aber ich finde es dringend wichtig und sehr richtig, daß Du Deine ohnehin empfindlichen Augen schonst, und bitte herzlich, dies eher etwas länger fortzusetzen. – Hier liegen die Dinge so: Gertrud B. hat in der Frau einen geradezu begeisterten Artikel geschrieben u. ihre Solidarität offen bekundet. Aus Berlin erfahre ich durch ein freundliches Schreiben des GOR. Pallat, daß Ähnliches dort in großem Stile in Vorbereitung sei, u. daß man auf m. Mithilfe rechnet. Prüfer im Lazarett hat sich ganz dumm reaktionär zu einer der 2 Getreuen geäußert. Riehls haben den grandiosen Gedanken, Agnes v. Harnack an Gertruds Stelle zu wählen; aber wer soll ihn durchführen? Ich aus vielen Gründen nicht. Gestern kam ein amtliches Cirkular, aus dem zu entnehmen ist, daß m. Einziehung günstigsten Falls bis 1. April hinausgeschoben werden kann. Dann beginnt ein andres Leben. – Ich wünsche Dir schnell fortschreitende Kräftigung u. grüße dich u. die Tante von Herzen Dein Eduard.