Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 20. Februar 1916 (Hauptbahnhof Leipzig, Kartenbrief)


Hauptbhf. 20.II.16. Liebe Freundin! Dieser Gruß soll Dich in M. empfangen, da er für Cassel zu spät käme. Ich freu mich, daß Du schon wieder ausgehen konntest. Hoffentl. ist M wirklich eine Abwechselungu. nicht bloß eine Anstrengung. Lauf nur nicht zu viel in den Museen rum. Was hast Du von den Bildern? Ich grüße auch Hermann herzlich und bedaure, daß Ada Weinel das für ihn bestimmte Exemplar weggeschnappt hat. Für sie aber wünsche ich, daß sie die weite Fahrt gut zurücklegt u. zur rechten Zeit kommt. – Wenn ich noch nicht zum Brief komme, so liegt das daran, daß ich heute mit einem Zug den Schluß für Muthesius (4. u. 5. Teil) geschrieben habe. Das ist doch ein Fleiß: 3 Broschüren mitten im Semester! Die Berliner Rede ist fertig im Druck. Allerdings – ich bin wie der Mann, der keine Seele hatte. Gegenwärtig vielleicht der angenehmste Zustand. Ich weiß nicht mehr, wie ein Baum oder ein Feld aussieht – ich bin eine arbeitende Maschine und freue mich, daß ich es kann. Die stille Sehnsucht, auch einmal wieder zu reisen, muß schweigen. Wer weiß, wann, ob jemals wieder? – Ludw. hat einen sehr lustigen Brief ganz in s. alten Art geschr. Dafür habe ich gestern seiner Ursula ein goldenes Halskettchen geschickt. – Milkners Tod jetzt amtlich bestätigt. Werdet Ihr denn noch satt? Hier ist es manchmal eine Kunst. <re. Rand> Ich denke an Dich und folge Deinen <Kopf> Spuren in München. Alles Gute Dein Eduard.
[li. Rand] Frl. Mecke molestiert mich um einen Übersetzer. Weibliche Eigenart!