Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 9. Mai 1916 (Neubabelsberg, Bergstr. 3)


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Neubabelsberg, Bergstr. 3, 6 Uhr.
9. Mai 1916.
Liebste Freundin!
Eben kommt dein lieber Brief. Ich hätte das Bedürfnis, wie schon beim Abschied, Dir unendlich viel zu sagen. Aber es ist über alle Worte, und im Augenblick muß ich eilen, daß Dich diese Nachricht noch erreicht.
Riehls und ich freuen sich, wenn Du morgen [über der zeile] Mittwoch zu uns kommst. Ich empfehle Dir, um 3 Uhr 3 zu fahren. Du bist dann um 4 hier. Wir haben vor dem Tee eine Stunde für uns, oder nachher. Rückwärts müßtest du etwa den Zug 7.19 erreichen. Ich komme Dir, wenn es das Wetter erlaubt, <Wortteil gestrichen: unleserlich> ein Stückchen entgegen. Du erinnerst Dich: die lange Kaiserstr. am Rathaus vorbei bis zu der Stelle, wo rechts der Zugang zur Dampferhaltestelle Bergstraßenbrücke ist. Dort gehst Du links gegenüber in die Höhe zur Bergstr. Bist Du zu müde oder ist das
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| Wetter schlecht, so fährst Du mit dem Dampfer bis zur Station Bergstraßenbrücke und gehst dann ebenso.
Herzlichen Dank für die Brotkarte. Man soll hier die polizeiliche Anmeldung verlangen: das würde heißen: Umschreibung in ein andres Armeekorps und Einziehung innerhalb 8 Tagen. Mitzubringen bitte ich Dich außer den Couverts nur 1 Dutzend Bremer Börsenfedern F.
Die Post, die sonst kam, war voll von trüben Nachrichten über Hungersnot allerorten und unabsehbaren Krieg.
Hier sorgt man rührend für mich, auch unter großen Mühen und Schwierigkeiten. Ich halte mich vorläufig noch viel im Hause. Aber vom gegenwärtigen Leben und von der Zukunft mündlich.
Frau Riehl grüßt Dich herzlich und freut sich, daß Du kommst. Ich bin mit
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| meiner ganzen Seele bei Dir und danke Dir aus tiefstem Herzen für das, was Du mir bist.
In treuer Liebe
Dein
Eduard.