Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 22. Mai 1916 (Bahn Berlin/Neubabelsberg, Kartenbrief)


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Bahn Berlin - Neubabelsberg, den 22.V.16.
Liebe Freundin! Das rätselhafte Exsudat ist beinahe ganz weg u. der Ausspruch des Arztes lautet: "Dienstfähig sind Sie". Aber, eingeschüchtert durch Freundschaft, zumal Deinen heutigen lieben Brief, habe ich von dieser Vollmacht keinen Gebrauch gemacht, sondern einen Kompromiß geschlossen. Das Zeugnis, aus dem ich eigens die Worte "außerordentlich gut" fernhalten mußte, u. dessen 2. Teil von mir stammt, lautet: "Bei der heut vorgenommenen Untersuchung … hat sich ergeben, daß die im rechten Brustfellsack befindliche Ausschwitzung in guter Rückbildung begriffen ist u. daß auch das Allgemeinbefinden des Kranken sich erheblich gebessert hat - Wenn auch nicht zu erwarten ist, daß Herr … bis zu Pfingsten völlig genesen sein wird, so wird er doch in beschränktem Maße um diese Zeit seine Tätigkeit wieder aufnehmen können." Hätte ich nicht den 2 Passus beeinflußt, müßte ich vollen Dienst tun. So bleibe ich bei den 2 Übungen, zu denen ich vom Vorort aus hereinfahre. Hierüber baldigst mehr. Ich
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| wollte dies nur in Eile mitteilen. Für August ist dann Freudenstadt geplant. Aber wir müssen das alles noch eingehend beraten. Herzlichst E.