Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 15. Juni 1916 (Leipzig, Grassistr. 14, Kartenbrief)


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Grassistr. 14, den 15. Juni 1916. Abends 7 Uhr. Mein liebes Kind! Von Deinem und meinem Schreibtisch, den ich vor 8 Wochen verließ, einen kurzen, aber herzlichen Gruß. Gestern Abend zum 1. Mal ohne Fieber. Mutter Sofie fuhr mit mir bis an den Anhalter Bhf u. brachte mich ins Coupé. Ich habe in meinem Leben nicht so viel Güte und Liebe genossen, wie jetzt. Möckel, der schon am 15.IV. nicht zur Stelle war, war auch am 15.VI. nicht da. Kam trotzdem gut ins Haus und fühle mich wohl. Ich habe wenig zu tun, da nichts angesammelt. Danke Dir für Deinen liebevollen Vorschlag, mir hier zu helfen. Ist aber nicht nötig. Bin eigentlich ganz energischer Mensch. Essen habe ich mit: 10 Eier u. 1 Brathuhn. Gretchen Stolpe jammert über die Zeiten. Ich etwas reserviert. Ist aber wirklich ein Hundeelend. Wird auch für unsre Reise nicht leicht werden, das müssen wir uns klar machen. Trotzdem bin ich sehr für Freudenstadt, weil da die Reibungswiderstände der Neuheit fortfallen. Morgen 4 Uhr soll die Konsultation sein. Du bekommst dann Nachricht per Kartenbrief, Frau Heinzelmann telegraphisch. Sonstige Zeiteinteilung unbestimmt, schon weil Wetter sehr schlecht. - Gestern kam Liquidation von, Goedecke, lächerlich gering, geradezu Freundschaftsdienst. (225 M.) - Habe schon viel Kursbuch studiert. Verbindung Freudenstadt nicht berühmt. Mir wäre am liebsten, wenn 1 Nacht in Cassel genügte. Über Heidelberg einzige Verbindung, die in Betracht kommt. Darüber dann mehr. Der lieben Tante herzl. Dank für ihren Brief. Euch beiden herzliche Grüße Dein Eduard.