Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 6. Oktober 1916 (Partenkirchen)


[1]
|
<Briefkopf des Post-Hotels Partenkirchen>
<gedruckt: PARTENKIRCHEN, DEN> 6. Oktober 1916.
Liebe Freundin! Heute Morgen erhielt ich Deinen lieben Brief mit den Abmeldungen, wofür ich "einstweilen" herzlich danke, ohne im Moment darauf antworten zu können. Ich fuhr bei Regen in die Berge hinauf, wurde von Adelheid an der Bahn und von Mutter Riehl im Hôtel empfangen. Sie war erst mit dem Morgenzug gekommen und hat einen Kerschensteinerschnupfen, mit dem sie aber angenehmer umgeht. Der Ort ist mir sympathisch, die Touristen noch immer nicht, Luft schlapp, gestern u. heut. - Wir gingen gestern um 5 trotz strömenden Regens nach Kainzenbad (für Frau Riehl ½ Stunde, sonst wohl ¼. Nach flüchtigem Ansehen und Besprechen Einigkeit, daß das nicht in Frage kommt. Gründe tausend, in summa, Herr Kollege, es paßt nicht. Was nun geschehen soll, dunkel. Strümpell hat auf Riehlsche Anfrage und Wunsch depeschiert: "Jedenfalls Sanatorium, nicht Privatwohnung." Letzteres ist ja klar; aber es gibt doch auch Privatpensionen und gute stille Hotels. Ich habe heut früh, nach guter Nacht, eine Rekognoscierung unternommen. Dies schreibe ich bei der Rückkehr. Fortsetzung, wenn weiteres geschehen ist. (½ 11.)
½ 4 Uhr am Bhf, auf denselben Plätzen, <3 Wörter unleserlich>. Jetzt habe ich auch Wigger gesehen. Ungleich <Wort unleserlich> als Kainzenbad. Zimmer im 4. Stock 18,50. Alles scheint
[2]
| passabel, aber das Zimmer ist eine Mausefalle. Besser sind die unten auch nicht, eher umgekehrt; denn unten ist nur die Balkontür, und da das Licht durch den allseitigen Verschlag des Balkons ferngehalten wird, ist es da noch dunkler. Oben ist wenigstens neben der Tür ein kl. Fenster. –
Wir sahen dann noch eine Privatpension (Witting) in geeigneter Lage. Manches an ihr gefiel mir, viel schönere Zimmereinrichtung, I. Stock, Pension 11 M, nicht allzu großes Haus. Aber wer sieht das andre? Übrigens sehr empfohlen.
Frau Riehl wurde nach dieser Abschweifung unmutig; sie berief sich auf St.s. Telegramm. Als ich dann meinte, die Sache sei ja dann entschieden, dann bleibe eben nichts als Wigger, war es ihr auch wieder nicht recht. Denn sie will mir nichts aufdrängen.
Soweit sind wir jetzt. Es wird ja wohl Wigger werden. Ob die Mausefalle gesünder ist als mein schönes Zimmer in F., zweifle ich. Wenn Du je mit Frau Riehl jetzt oder später über diese Fragen korrespondierst, so halte Dich ganz neutral u. berühre sie am besten Deinerseits nicht. Sie fürchtet, Du könntest sagen, daß ich unter Deinem Einfluß handelte. Es ist ein toter Punkt. Weder Einfluß noch eigne Entscheidung sind "entschieden".
Dies zur vorläufigen Nachricht. Mit tausend innigen Grüßen. Dein
Eduard.

Telegramm kommt vielleicht vor diesem Brief; dann gilt eben Tel. Nach Sonnabend rechne ich nicht mehr auf Deine Anwesenheit in L.