Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 8. Oktober 1916 (Partenkirchen)


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<Briefkopf des Post-Hotels Partenkirchen>
<gedruckt: PARTENKIRCHEN, DEN> 8.10.16.
Liebe Freundin!
Die Überraschung war nicht gerade angenehm, aber doch auch nicht ganz unerwartet. "Wie man's macht ……" Ich fahre heut um 2.15 hier ab, bleibe wahrscheinlich wieder in Regensburg und bin um 3.58 von Hof am Hauptbahnhof. Wenn anders, so depeschiere ich in Deine Wohnung. Frage da also eine Stunde vorher nach. Wenn es nötig ist, Strümpell vorher zu sprechen, so richte ein, daß wir ihn noch treffen, wenn wir vom Bhf direkt hinfahren. Er trägt eigentlich die Verantwortung für den Ausgang. Denn es wäre für ihn sehr blamabel, wenn das Militär auch nur den mindesten Grad von Tauglichkeit ausspricht, während er mich für den gewohnten Beruf für unfähig erklärt. Immerhin - bei den heutigen Anforderungen kann niemand wissen, was passiert. - Ich habe Zeugnisse von Benary u. v. Bubenhofer erbeten. Ob sie rechtzeitig kommen, weiß ich nicht. Denn ich möchte schon Dienstag früh hingehen, mindestens, um "meinen" Feldwebel zu besänftigen, der gesagt hat: "Sie können ruhig reisen, nur wenn Sie ins Ausland gehen, müssen Sie es mir mitteilen.
Geht die Sache schief, so gibt es eine unheilbare Konfusion. Ich muß dann gleich nach Dresden fahren, um den Sonderfall mitzuklären. Bericht habe ich bereits ganz kurz erstattet. Ich
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| hatte dazu Auftrag erhalten im März, und obwohl die Verhältnisse sich geändert haben, habe ich ohne weiteren Zusatz die Tatsachen mitgeteilt.
Über sie etc. mündlich. Wir besuchen wohl am Montag Abend noch Biermann, der sich sehr tüchtig und freundschaftlich benommen hat. Es tut mir leid, daß Du die neue Aufregung und Verzögerung Deiner Abreise erleiden mußtest. Mir wird es kaum schaden; fatal ist mir, daß ich mich weit besser fühle, als der Diagnose entspricht. Wie gesagt - St. trägt die ganze Verantwortung. Leb wohl und auf Wiedersehen!
In der Bahn nach München. 3 Uhr
Ich möchte natürlich gern in der Grassistr. wohnen. Sage es doch dort, und daß ich < mehrere Wörter unleserlich>. Wie's auch wird - in L. bleibe ich kaum. <mehrere Wörter unleserlich>. Je mehr ich darüber nachdenke, desto seltsamer die Situation <mehrere Wörter unleserlich> Geht es gut, so reisen wir<mehrere Wörter unleserlich>, mindestens bis Sonntag
Noch einmal tausend Grüße.
Dein dankbarer
Infanterist A