Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 17. Oktober 1916 (München, Hôtel National Simmen, Postkarte)


[1]
|
München, Hôtel National Simmen den 17. Oktober 1916 abends ½ 10. Liebste Freundin! Nach relativ angenehmer Fahrt sitze ich in dem Riehlschen Stammhôotel - als einziger Gast. Ich wünschte, es wäre erst morgen Mittag. Mein Zustand ist ein undefinierbarer, halb Nerven, halb Brust, jedenfalls
[2]
| trotz doppelt ärztlicher Hausbesuche miserabel. Du bist hoffentlich gut angekommen trotz des eingestürzten Tunnels und hast die liebe Tante wohlauf getroffen. Sieh zu, daß Du Dich erholst, von den Mühsalen und von mir. Ich wünsche Dir den Caßler und behalte mir das Rippenfell. Eben lese ich Wetterberichte: Oberstdorf Schnee, Partenkirchen Min. 0. Max. 4. bedeckt. Na, wo das noch rauskommt. Sei vergnügt, daß Du nichts mit Ärzten zu tun hast und zu Hause bleiben kannst. Im Coupé waren wir zuletzt 5 Mann und eine Katze; letztere im Korb, nicht im Sack. Schwarz soll sie aber nicht gewesen sein, nur naß, wie ihr Nachbar erfuhr. Ja, es ist ein eigen Ding. Man könnte Bände füllen, ich will aber das Maul halten. Viel herzliche Grüße Euch beiden und unendlichen Dank Dein Eduard.