Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 19. Oktober 1916 (Partenkirchen, Pension Witting, Postkarte)


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Partenkirchen, Pension Witting. 19.10.16.
Liebe Freundin! Bitte schicke vorläufig nichts nach außer dem Kamel u. allenfalls etwas Eßbarem. Ich glaube nicht, daß sich das hier zu einem Definitivum entwickeln wird. Gewisse Vorzüge sind unleugbar: absolute Ruhe und eine feine, sorgfältige Küche. Aber gerade weil die letztere sozusagen gesellschaftlich hochsteht, kann sie im Augenblick nicht reichlich genug sein (obwohl mitt. u. abds 2 Gänge), da sich der Mensch jetzt nur an Kartoffelpamps und Klößen sattfressen kann. Zum 2. Frühstück fehlen mir Marken, abgesehen v. d. Wetterfrage u. meiner Abneigung gegen Einführung eines Frühschoppens. Die Sache wird sich wohl so entwickeln: Am Montag, wenn ich mich etwas ausgeruht habe, besuche ich den Bardenheuer. Gefällt er mir u. will er mich behandeln, so muß er mir ein Privatlogis empfehlen. Denn der einzelne bzw. die Familie kann sich jetzt doch bei gutem Geschick noch in manchem helfen, was sich nicht auf silbernen Schüsseln herum servieren läßt. Gefällt er mir nicht, so knüpfe ich Verhandlungen mit Oberstdorf an. Scheitert auch dies, so wende ich mich wegen der Schweiz direkt ans Ministerium. In jedem Fall bleibe ich doch 14 Tage bis 3 Wochen hier. Ich möchte aber m. Reisegepäck, dessen Trans
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|port über 10 M gekostet hat, nicht vermehren, brauche eigentlich nur Kragen zur Ergänzung. Wenn Du irgendwie zur Schnellwäsche Rat weißt, so schicke doch welche mit. Andernfalls schreibe nach Heidelberg, daß nur ein Teil der Wäsche, ca 10 Kragen u. 1 Nachthemd hierher kommen soll, das andre an Dich. - Es hat heut Vorm. gegossen. Ich will hier erst mal wiederallgemein ins Lot kommen, ehe ich an Spezialbehandlung denken kann, und das wird ja z. T. zusammenfallen. Eben gehe ich zu Kaffee u. Torte. Herzlichsten Gruß Dein einst sehr gut verpflegter Ed.