Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 4. November 1916 (Partenkirchen, Café Gudiberg, Postkarte)


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Café Gudiberg, den 4. Nov. 1916  ½ 4 Uhr.
Liebe Freundin! Es wird immer wärmer u. sonniger. Ich lebe von Kur, der Arbeit und dem Schlaf - denn obwohl es ganz gleichmäßig ordentlich geht, ist noch kein Plus da. 8 mal bin ich schon unter der Wunderlampe gewesen, wo gleichzeitig meine einzige Konversationsstunde ist. Eine große Freude habe ich heute durch Karte von Morgner, vom 31.X. Noch nicht selbst geschrieben,
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| doch steht nebenbei drauf: "Mir geht es etwas besser." Er ist Leutnant geworden u. hat das Eis. Kreuz II. Nun bitte ich Dich, etwas Geeignetes umgehend zu schicken. Hier ist nichts zu haben, auch wenn ich was verstünde. Du schreibst doch alles an, ja? Also: Res. Feldlazarett 32, 9. Armeestraße, in Vermand. - Gleichzeitig kamen 140 M Fakultätsanteil. Durch Umfrage werden noch einmal die Militärverhältnisse aller Universitätsbeamten festgestellt. Ich schwebe in der Luft. - Das Ms von Begabung u. Studium wird heute fertig. Es muß aber vorn noch manches geändert werden. Ich glaube, die Sache ist sehr inhaltreich geworden. - Gestern bestand m. Post in Sendungen vom alten Rektor u. vom neuen Rektor. Str. ging auf m. Scherze sehr nett ein. Sonst nichts zu berichten, höchstens, daß mein Umzug beendet ist. Ich hoffe bald von Dir zu hören und sende Dir u. der lieben Tante inzwischen viele herzliche Grüße Dein Ed.
(Bei W - r wird gespielt, abends <Wort unleserlich>, zum Essen gehen die Herren in d. Post etc.)
Der kl. Scholz hält schon wieder Vorträge. Nur ich armer Esel!