Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 11. Dezember 1916 (Partenkirchen)


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Montag, den 11. Dezember 1916.
Mein liebes Kind! Eben um 3 Uhr kommt Brief und Schlüssel. Ich habe das vielversprechende Packet noch nicht aufgemacht, will aber den Brief schnell absenden. Was ich darin gestern von Wünschen ausgesprochen habe, hat keine Eile u. kann auch von hier oder von Ch. erledigt werden. Nur den Brief an Haas schickst Du gegebenenfalls wohl mit Eugenie an die Post.
Mich betrübt die Nachricht von der Krankheit der Tante sehr. Wie steht es denn und worin besteht es?
Die Mäntel zu den Wertpapieren sind entschieden nicht fort, sondern da liegt irgend ein Gedächtnisfehler vor. Gib Dir nur Mühe, den Faden wieder anzuknüpfen. Laß aber der Vorsicht wegen die Nummern sperren.
Bei alledem wollen wir von unsern Weihnachtsplänen mal lieber nicht reden. Du weißt: lieber 3 Tage vorher Entschluß, als allerhand Pläne, die nicht werden. Frau Riehl ist auch krank. Wenn sie S reisen können u. Pässe bekommen, gehen sie zu Weihnachten nach Innsbruck zu dem hoffnungslosen Schwager. Dann hierher.
Die Bestrahlung scheint mir nicht mehr zu bekommen. Ich könnte 18 Stunden am Tage
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| schlafen.
In den nächsten Tagen sende ich ein Packet mit den nicht gewaschenen, aber kaputen Sachen, das keine Eile hat, sondern nur aus dem Hause soll. Dann mehr. Du hast mich verwöhnt mit Deiner Hilfe. Aber Du darfst nicht glauben, daß das - auch nur in meinem Interesse - voranginge. Sondern sorge vor allem für die Tante. Das war im Oktober m. erster Wunsch u. ist es auch heut. Der zweite, daß sie bald gesund werde u. nicht wieder Rücksichten auf verschiebbare Pläne nimmt.
Tausendfachen Dank und innigstes Gedenken
Dein
Eduard.