Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 27. Februar 1917


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<am re. Rand befindet sich eine Feder>
An einem schmerzlichen Tage.
(27.II.17.)
Du suchtest Gott in Wäldern und in Fluren;
In jeder Pflanze, jedem stillen Laub
Empfandest Du das Leben, selbst im Staub
Noch gottentströmte, sel'ge Kreaturen.
Du aber folgtest gern der Menschen Spuren,
Und war Natur für Deine Sehnsucht taub,
So schienen sicher Dir vor jedem Raub
Die Augen, die Dir einmal Treue schwuren.
Ihr irrtet beide. Denn Dein tiefster Drang
Bleibt ewig einsam, und Dein stilles Leid
Verhallt da draußen ohne Widerklang.
Doch wenn Dein Herz von allem sich befreit,
Dein Ich zu fühlen Dir im Schmerz gelang:
Im Selbstverstehn liegt Gott und Ewigkeit.