Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 22. Oktober 1917 (Leipzig/Bavaria, Kartenbrief)


[1]
|
Bavaria 22.X.17. L. Fr! Soeben ohne Untersuchung auf weitere 6 Monate D. u. Beide Herren sehr liebenswürdig. Ich bin froh, die Krisis mal wieder überstanden zu haben. Meine Fahrt nach Berlin war in jeder Hinsicht schön. Habe im Habsburger Hof logiert. Um 10 hat m. Weber die Schlüssel gebracht. Um 11 Konferenz. Statt 10 Leuten - 35. Darunter Wilamowitz, Harnack, Troeltsch, Hintze, Diels, Ed. Meyer, viele Provinzialschulräte, Gymnasialdirektoren. Bitte nehmen Sie Platz. Es fehlten aber 15 Stühle. Herr Prof. Spranger, ich freue mich, daß sie gekommen sind, kommen Sie doch hierher. Bleibe aber unten. Exc. entwickelt das Thema. Niemand meldet sich zum Wort. Der Minister wendet sich wieder an mich, ersucht mich, in s. Nähe Platz zu nehmen, u. mit gewohnter Eleganz halte ich die nächtlich präparierte Rede. Nun kam die Sache in Gang. Harnack, der mich wie einen alten Bekannten grüßte, sagte das Beste. Wilamowitz ging sehr auf mich ein. Zum Schluß wandte sich der Min. wieder an mich u. bat mich, über das Thema eine Denkschrift zu schreiben (vertraulich) Dann sprach ich mit Troeltsch, der so lieb u. herzlich war, wie nie, auch ganz anders aussah. Als der Min. herzukam, sagte T., es sei schade, daß man mich immer erst holen müsse; ich sollte ganz da sein. Auch von Heidelberg war die Rede. Er hat mich immer vorgeschlagen, aber man hat nicht geglaubt, daß ich kommen würde. - Mittag aß ich bei Mitscher mit einem alten Gymnasialdirektor. Um 4 war ich
[2]
| schon wieder bei Exzellenz. Im Vorzimmer sah ich Becker u. sprach mit ihm über Scholz. Bis 5 dauerte es. Dann habe ich mit Exc. solo Tee getrunken u. mit ihm in der interessantesten Weise 2 Stunden über allerhand Dinge, z. T. internsten Charakters, gesprochen. Ich habe einen großen Einblick in die Person u das System getan, und glaube auch, in wichtigen Dingen Exc. gut orientiert zu haben. - Um 7 eilte ich noch zu Scholz, sprach erst von Weber, dann Heinrich u Elisabeth, hatte auch da gute Eindrücke. Um 3 zu Hause. Gestern fuhr ich schon um 1 mit Personenzug (bis Bitterfeld leer) weil ich mitten in dem Aufsatz über das Kultusmin. steckte u. abends noch arbeiten wollte. Meine Schmerzen sind seit Freitag fort. Berlin wirkt ausgezeichnet! Mein einziger Schmerz ist, daß ein Freund, für den ich auf der Un. Berlin gebürgt hatte, auf u. davon ist. (Objekte über 200 M.) Herzl. Dank für Deine Karte u. 1000 Grüße Dein
E.