Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 19. Januar 1918 (Leipzig, Postkarte)


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19.I.1918. Liebe Freundin! Mit herzlicher Teilnahme habe ich gelesen, daß der arme Willy Weise von seinem Leiden erlöst ist. Für die Mutter bleibt es eine schwere Prüfung, zumal sie soviel Kraft von ihrem eignen Leben hingegeben hat, um ihn zu erhalten. Für ihn ist es wohl gut. Sein Brief gab mir das Bild einens feinen, lieben Menschen. - Ludwig schreibt heute aus Nürnberg, Reservelazarett Wölckerschule. Er klagt nur noch über eine sehr schmerzhafte Verwundung am rechten Zeigefinger, und über sehr schlechte
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| Verpflegung im Lazarett. Wenn er nach Berlin verlegt wird, hofft er hierher kommen zu können, worüber ich mich außerordentlich freuen würde. - Von Berlin bisher nichts. Mein Fuß ist gut. Aber ich eifre Dir weiter nach mit Magenverstimmung, wahrscheinlich Folge einer schlechten Götzeschen Muschel. 2 Packete aus Thüringen u. Bayern haben mich im übrigen üppig versorgt. Von Nieschling nichts. Die Vorlesungen gehen zu End, u. ich merke, daß ich nicht fertig werde. Heute bin ich wieder stark in der Philosophie, daher kein Brief. Deine Urteile treffen die Sache größtenteils recht gut; nur hat man nicht mir die Scholastik vorgeworfen, sondern Husserl u. Scheler. Muthesius hat mir bereits das Blatt zurückgeschickt u. ist auch einverstanden. - Euren Dachschaden wirst Du schon irgendwie reparieren. Es wird ja auch nicht immer so viel Wasser kommen. Hier ist heut Sommer. Ich habe nicht die Spur Erkältung, was mich wundert. Die 5 Pf. Porto kannst Du mir ja wiederschicken. Mir tat es auch leid, daß ich es nicht anders hatte. Dafür das nächste Mal unfrankiert. - In R. Wagners Autobiographie fand ich zuletzt Vater u. Mutter v. Frau W. höchst interessant u. für Verständnis lehrreich. <li. Rand> Sorge, daß du gesund bleibst. Ich grüße Dich u. die l. Tante herzlichst Dein Eduard.