Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 19. Februar 1918 (Berlin/Bahnhof Zoo), Postkarte


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Am Bhf Zo. 19.2.18. Mittags 1 ½ . Liebste Freundin! Der Koffer kam ¼ Stunde vor dem Einpacken, sehr verbeult u. an einer Ecke demoliert . Herzlichen Dank für die Sendung u. die "Füllung". Die Fahrt im PZ von 2 - 7 ging absolut glatt. Der Introitus aber war voll von Ärgernissen. Das Zentralinstitut teilt mir mit, daß bis jetzt 62 belegt haben. Aus den Namen geht hervor, daß es nur m. persönliche Sippschaft ist. Darum, um 60 Leute, komme ich nicht im Kriege jede Woche v. Leipzig. Es kommt hinzu, daß nach dem ganzen Modus scheint, als wolle man mich auch demgemäß honorieren (es ist neu nichts ausgemacht worden.) Ich würde dann, da ja d. Reiseersatzbeträge völlig aufgebraucht waren, für 200 M 4 Wochen in Berlin herumlungern müssen. In Bremen bekomme ich für 1 Abend 300 M (incl. Reise.) Nach dieser angenehmen Entdeckung bemerkte ich eine Brosche, die ich als 8jähriger meiner Mutter für 8 M geschenkt habe, an Paulas Busen. Nun war natürlich der Friede schon in d. 1. Stunde hin. Dein l. Brief heute morgen tröstete mich etwas. Vorm. habe ich noch vorbereitet. Wollte Essen gehen, alle ehemaligen Restaurants sind Lazarette. Auf der Speisekarte nur Kaninchenbraten
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| 5 M. Ich zog Tunfisch vor - im Zivilleben wohl Hai? im Rosenkohl fand ich soeben eine Insektenleiche, die mich abzubrechen veranlaßt. Es ist auch Zeit zum Mittagsschlaf. Um 4.30 geht es los, an der alten Invalidenstraße zum <ein Wort unleserlich>.
Sa. Summarum - das ist mein Berlin. Da wendet sich der Gast mit Grausen, u. ich versuche wohl deshalb die Kellnerin, als sie ein Essen in der Hand fasste, so eine appetitliche <drei Worte unleserlich>. Herzlichst Dein Ed.