Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 2. März 1918 (Charlottenburg, Postkarte)


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Ch. 4, den 2. März 1918. Liebste Freundin! Seit 2 Stunden bin ich wieder hier, finanziell zerrüttet und sehr angegriffen. Von Bremen habe ich nicht viel gesehen; ich fühlte mich nicht unternehmend u. scheute das schlechte Wetter. Seit meiner letzten Nachricht ist also der Vortrag gestiegen, und, nach den Zeitungsbesprechungen, mit vorzüglichem Erfolg. Ich war nur halb befriedigt: kaum 200 Leute; nur die Hälfte davon mit verständnisvollem Gesicht. Aber zum Schluß
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| nach 1 Stde 20 Min. stürmischer Applaus. Ich stand unter dem Druck der Phobie, die ich seit Cassel vor auswärtigen Vorträgen habe. Schon vorher überfiel mich der Br. Stadtschulrat, nachher wieder, mit den respektiven Frauen. (Die deutsche Reichspost soll sich ihrer schaudermäßigen Postkarten schämen!) Gretchen Heyse sprach mich auch nach Schluss. Nächsten Morgen um 10 Frl. Wezel, um 12. der Stadtschulrat, um ½ 2 gutes Diner im Essighaus (im Ratskeller wird nur gesoffen) um ½ 5 Aufbruch nach Kattenturm, 20 Min. hinter Endstation der El. Von Eltern u. Schwester Heyse sehr lieb aufgenommen u. mit Wurst u. Schinken beschenkt, blieb länger als ich wollte. Aß 2x Abendbrot - ohne ausreichendem Erfolg, trotz 6 M Kosten für Essen allein. Heute um 6 Aufstehen. Mit Dzug 2 Stunden Verspätung und allerhand Nöte. Kaum gegessen. Zu Hause von 2 Tagen 21 Briefe, darunter wichtige Sachen. Du siehst - es ist keine Ruhe vorhanden. Für heute nur diesen kurzen Bericht. Ich grüße Dich innigst und bin in treuem Gedenken Dein Eduard.