Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 14. März 1918 (Charlottenburg)


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Charlottenburg, den 14. März 1918.
Liebste Freundin!
In einer Stunde reise ich von hier ab. Als ich neulich von Steglitz heimkam, fand ich Deinen lieben Brief, für den ich Dir innig danke. Ich beantworte ihn nicht eigentlich, weil ich nächste Woche neuerlichdazu Gelegenheit zu haben hoffe. Nur die Frage möchte ich noch offen lassen, ob ich am 20. oder am 21. abends komme. Ich mache es dann ganz so mit Wohnen und Essen, wie Du es für richtig hältst, bemerke nur, daß ich gewöhnt bin, eine oder 2 Mahlzeiten außer dem Hause zu nehmen, daß Ihr also keine Anstalten treffen sollt, durch die Eure Vorräte verkürzt werden. Und auch dies ist allerdings
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| eine Friedensbedingung: Einladungen darf jetzt niemand annehmen; ich bitte also, wie ich es hier in Charlottenburg gemacht habe, meinen Pensionspreis begleichen zu dürfen, falls Ihr mich überhaupt beköstigen könnt.
Für Cassel sind 5 Tage in Aussicht genommen; dann 14 Tage Partenkirchen, endlich ab 15. April noch 1 Woche Weimar. Warum dies alles so, darüber mündlich.
Die Vorträge sind gut ausgeklungen. Der Besuch war und blieb mäßig. Von den 105 Eingeschriebenen erschien immer nur ein Teil. Aber Kerschensteiner u. Riehls u. das Handelsministerium hielten bis zuletzt aus. Die Quälerei mit dem Ansprechen nach den Vorträgen hat mich fast bis zur Wut gereizt. Neugierig bin ich nur, was unter der Dienstagsperspektive
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| (Dienstaxperspektive) dabei herausschaut.
Im ganzen nehme ich auch von Berlin das Gefühl eines wachsenden Rufes und, was mehr ist, einer starken menschlichen Symphatie unzählig vieler mit. Mit meinem Befinden geht es jetzt wieder etwas aufwärts, trotz Schnupfen.
Gestern war ich noch auf dem Kirchhof; dann bei Ludwig. Die Begegnung mit den 5 Alten und Jungen hat mir einen eignen Eindruck gemacht, den ich Dir schildern werde.
Ich fahre um 1 und bin gegen 7 zu Hause. Du schreibst wohl noch ein Wort, wie mein Vorschlag zu Deinen Plänen paßt. Ich aber freue mich im voraus ganz unmäßig und grüße Dich herzlichst wie stets
Dein
Eduard.