Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 19. April 1918 (München, Postkarte)


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München, Hôtel Herzog Heinrich, 19.IV. 4 Uhr. Liebste Freundin! Eben hier angekommen. Merkwürdig, am Tage als ich in P. eintraf, schneite es; heut am Abschiedstag wieder. Dazwischen Sonne. Das Fortgehen ist mir sehr schwer geworden. Es lag diesmal alles zu schön, als daß ich die Reise nach Norden mit großer Freude antreten könnte. Gestern war ich noch
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| im Sonnenheil. Solche Besuche werden schließlich auch zu einer lieben Gewohnheit, von der man ungern Abschied nimmt. Aber als ich gegen Abend von dort nach Hause ging, goß es bereits in Strömen. Die Berge habe ich nicht wiedergesehen. Gestern Abend gab es dann noch ein kleines Fest. Die Damen (d. h. Frau W. und Felizitas) in großer Toilette. Von dem andren weiß ich nicht, ob ich es auf eine offene Postkarte schreiben darf: Frankfurter Würstchen, Kalbsschnitzel mit Spargel, Pfirsichkompott. Hinterher eine Waldmeisterbowle - der Waldmeister eigenes Gewächs. Du kennst die Stimmungen, wenn man etwas Schönes verläßt. Fel. ist glücklich dran: sie kann zugleich lachen u. weinen. - Jetzt bin ich neugierig, ob Baierl kommt. Zum Stadtbummel ist es nicht einladend. Wenn es mit den Zügen klappt, bin ich morgen Abend im Weimarer Elefanten. Ich gedenke Deiner u. grüße herzlichst auch die liebe Tante. Dein Eduard.
[re. Rand, S.2] Welche Nachrichten von Großmutter K?
[Kopf, S.2] Vorgestern noch ein großer Spaß: Frau W. u. ich holten <li. Rand, S.2> das Packet aus Berlin ab. In Wahrheit eine Kiste, Schleifhandelformat. <re. Rand, S.1> Inhalt: die Pallas Athene, die <Kopf, S.1> ich so scheußlich fand, als Ehrengabe vom Minister.>