Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 29. April 1918 (Leipzig, Postkarte)


Auf der Post, 29.IV.18.
Liebste Freundin! Die fatale Aktion ist wieder einmal vorüber; sie nimmt mir schon immer 3 Wochen vorher alle Freude. Es ging diesmal etwas schwerer. Derselbe Oberstabsarzt, erinnerte sich des Falles sogleich, und sagte, nach Lesen des Zeugnisses u. Abhorchen: "Der Mann ist Un. Professor. Der nützt uns als g. v. garnichts. Ich schlage vor, wir stellen ihn noch ein ganzes Jahr zurück. Es hat wirklich keinen Zweck." Darauf der Major sehr richtig: "Er sieht aber sonst gesund aus; im Gesicht u.s.w." Ich mußte mich entschuldigen: ich sei in Partenkirchen gewesen; daher mein Aussehen, das mir auch sonst jeder hier entgegenschreit. Der Oberstabsarzt drang durch. Ob in 1 Jahr der Krieg zu Ende ist? Hier glaubt man es nicht . Deine Plaßaffaire hat ein Gegenstück in der Behauptung, das Ausbleiben der oesterr. Offensive gegen Italien habe unsre Pläne gegen Amilos vereitelt. - Ich habe am Sonnabend den Beweis für die Objektivität der Werte gefunden - ein grandioser philosophischer Fortschritt. Auch die Sohlen im Packet habe ich gefunden. Hrzl. Dank. Wie geht es der armen Tante?? - Gestern Theater, Ilse v. Stach. Dann bei Biermann. Viel herzliche Grüße Dein Eduard.