Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 6. Juni 1918 (Leipzig, Postkarte)


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6.6.18. Liebste Freundin! Meine Kopfzustände sind so schlecht, daß ich auf jede Korrespondenz, die nicht dringend geschäftlicher Natur ist, im Augenblick Verzicht leisten muß, um beruflich durch das Semester hindurch zukommen. Habe also Nachsicht. Übrigens sind 14 Tage Pause während des Semesters nichts Ungewöhnliches, u. mehr würde ich auch bei Gesundheit kaum versprechen können. Inzwischen bin ich natürlich wieder der Empfangende. Aber warum bemühst Du Dich selbst mit dem Flicken? Die Gestreif
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|ten haben bis zum Winter Zeit. Die anderen sind willkommen, sobald sie fertig sind. Vielleicht schreibst Du gelegentlich, ob Du die Seife schicken kannst. Ich muß sonst hier versuchen. 45 Pf. sind auch recht - wenn es nicht anders geht. Bis 100 Stück kann ich vertragen. Es hört bald ganz auf. Seitdem ich abends durch 2 ½ Glas Heidelbeerwein den fehlenden Alkohol ersetzen kann, schlafe ich wenigstens wieder. Aber genug v. meinen Leiden. Was macht der Hexenschuß? Bist Du den Schuß los? - Litzmann III ist vergriffen. Erscheinen unbestimmt. Ich sandte stattdessen Klinger u. Avenarius. Zur Verlobung v. Winchen m. Glückwunsch. In Berlin geht es hoffentlich glatt: er kann doch nur als Arzt in Frage kommen. - Das Maintal wäre mir ungemein sympathisch. Aber ist es nicht die heißeste u. schwülste Gegend? - Einen Schreck hast Du mir mit den Druckfehlern eingejagt. Zwar ist Dein Ex. unkorrigiert. Aber von einer fehlenden Zeile habe ich nichts bemerkt. Jetzt ist es zu spät. Täglich rücke ich meinem Bankrott näher. Satt werden zur Zeit recht schwer. Indessen hat Frau G. mich gesteigert, u. Anzüge darf man ja "abliefern." Die l. Tante hat recht, daß sie reist. Aber nur nicht <re. Rand> weit. Für heut ihr u. Dir viele herzliche Grüße u. tausend Dank Dein Eduard.